Steigende Ausbildungszahlen, neues Netzwerk: Die E-Handwerke verstärken ihr Engagement für weibliche Fachkräfte
Am 23. April findet wieder der Girls' Day statt – für die Elektrohandwerke längst mehr als ein Aktionstag. Er ist Aufhänger und Impuls für eine Branche, die Fachkräfte dringend braucht und dabei eine Zielgruppe noch zu selten erreicht: junge Frauen. Der Frauenanteil unter den Auszubildenden liegt in den E-Handwerken bei rund 3,1 Prozent. Das scheint niedrig, zeigt aber klare Tendenz nach oben: Seit 2015 hat sich die Zahl der weiblichen Auszubildenden nahezu verdoppelt. Bei den Neuverträgen stieg der Frauenanteil von 2,3 Prozent (2018) auf 3,4 Prozent (2024).
„Die Entwicklung stimmt uns zuversichtlich, aber wir sind noch lange nicht am Ziel", erklärt Andreas Habermehl, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). „Junge Frauen haben MINT-Berufe in der Berufsorientierungsphase viel zu selten auf dem Schirm. Der Girls' Day ist eine wertvolle Gelegenheit, das zu ändern."
Nicht nur willkommen – Frauen machen einen Unterschied
Schwere Arbeit auf der Baustelle – dieses Bild verbinden viele noch mit den Elektrohandwerken. Es stimmt jedoch längst nicht mehr. Die Digitalisierung hat das Berufsbild grundlegend verändert: Smarte Gebäudesysteme planen und programmieren, Energiekonzepte entwickeln, Licht- und Raumtechnik gestalten – das verlangt analytisches Denken, Kommunikationsstärke und ein gutes Gespür für Ästhetik.
„Die Elektrohandwerke umfassen heute eine Beratungstätigkeit genauso wie ein technischer Beruf", sagt Habermehl. „Wer das versteht, erkennt auch, warum Frauen hier nicht nur willkommen sind, sondern einen echten Unterschied machen."
Fünf Ausbildungsberufe, viele Karrierewege
Dass Frauen in den E-Handwerken so selten sind, liegt nicht am Angebot – das ist breiter als viele vermuten. Die E-Handwerke bieten fünf Ausbildungsberufe: Elektronikerin bzw. Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Fachrichtung Automatisierungs- und Systemtechnik, für Maschinen- und Antriebstechnik, für Gebäudesystemintegration sowie Informationselektronikerin bzw. Informationselektroniker. Der mit Abstand beliebteste ist die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik – ein zentraler Beruf für Themen wie erneuerbare Energien, Elektromobilität, Smart Home und Netzwerktechnik. Wer nach der Ausbildung weiterkommen möchte, hat viele Optionen: Meistertitel, Technikerausbildung oder Studium. Wer den Meister anstrebt, kann je nach Bundesland von Förderprämien profitieren. Informationen dazu gibt es bei den zuständigen Handwerkskammern.
„Eine Ausbildung in den E-Handwerken steht für einen sicheren Arbeitsplatz, aber auch für eine Tätigkeit mit Sinn – Frauen können hier handwerkliches Können und technisches Verständnis verbinden und an einer nachhaltigen Zukunft mitbauen", so Habermehl.
Neues Netzwerk: Die ElektroHeldinnen
Seit Anfang 2026 gibt es in der Elektrobranche ein neues Netzwerk: die „ElektroHeldinnen". Dahinter stehen die drei großen Branchenverbände ZVEH, ZVEI und VEG gemeinsam mit Unternehmen aus Industrie und Großhandel. Ziel ist es, Frauen in der gesamten Elektrobranche besser zu vernetzen, Sichtbarkeit zu schaffen und weibliche Vorbilder zu stärken, damit noch mehr junge Frauen den Weg in die E-Handwerke finden. Männliche Kollegen sind ausdrücklich eingeladen, die Initiative mitzutragen.
„Mit den ElektroHeldinnen zieht die gesamte Branche an einem Strang – Industrie, Großhandel und Handwerk gemeinsam für mehr Frauen in der Elektrotechnik", sagt Habermehl. „Vorbilder sind entscheidend. Wenn junge Frauen sehen, dass Frauen in der Elektrotechnik erfolgreich sind und Spaß haben, öffnet das Türen, die vorher verschlossen schienen."
Mehr Informationen gibt es auf der Webseite www.elektroheldinnen.de.
Langfristige Strategie, klares Ziel
Der Girls' Day ist ein Baustein in einer langfristigen Strategie, die Branche weiblicher zu machen – kein Selbstzweck, sondern ein konkreter Anstoß. Denn der Fachkräftebedarf in den E-Handwerken bleibt hoch, und das Potenzial in dieser bisher kaum erschlossenen Zielgruppe ist enorm.
„Wir brauchen neugierige, technikaffine Frauen mit frischen Perspektiven – und wir tun alles dafür, dass sie sich bei uns willkommen fühlen", erklärt Habermehl. „Wer einmal einen Blick hinter die Kulissen geworfen hat, stellt meist fest: Dieser Beruf passt viel besser, als man dachte."
Weitere Informationen zu Ausbildungsberufen und Karrieremöglichkeiten finden Interessierte auf der Webseite www.e-zubis.de.