Andreas Habermehl vom ZVEH über smarte Gebäudetechnik, Energieeffizienz und die Rolle der E-Handwerke
Steigende Energiekosten, wachsender Kostendruck und zunehmende Anforderungen an die Klimabilanz von Unternehmen: Gewerbetreibende stehen vor Herausforderungen, für die es konkrete technische Antworten gibt. Dass diese Antworten funktionieren, belegt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des ZVEI: Durch die Kombination aus Elektrifizierung, intelligenter Steuerung und Eigenstromerzeugung lässt sich der Energiebedarf eines Bürogebäudes um bis zu 57 Prozent senken – mit jährlichen Kosteneinsparungen von rund 18.000 Euro1.
Vom Einzelgerät zum vernetzten System
Viele Unternehmen haben bereits erste Schritte in Richtung Energieeffizienz unternommen – eine modernisierte Beleuchtungsanlage hier, eine automatisierte Steuerung dort. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst, wenn einzelne Maßnahmen zu einem abgestimmten System zusammenwachsen. Digitale Bussysteme verbinden Beleuchtung, Heizung, Klimatisierung, Zutrittskontrolle und Produktionstechnik in einem gemeinsamen Netzwerk, das sich zentral steuern und schrittweise erweitern lässt – häufig ohne den laufenden Betrieb wesentlich zu beeinträchtigen.
Beleuchtung ist in vielen Gewerbebetrieben einer der größten Einzelposten beim Stromverbrauch. Laut ZVEI-Studie lässt sich der Energiebedarf für Beleuchtung in Bürogebäuden durch automatische LED-Steuerung mit Präsenz- und Tageslichtregelung um bis zu 77 Prozent senken. Zugleich kann biodynamisches Licht, das dem natürlichen Tagesverlauf folgt, das Wohlbefinden und die Konzentration der Beschäftigten unterstützen.
Die qualifizierten Innungsfachbetriebe der E-Handwerke unterstützen Unternehmen dabei, die richtigen Maßnahmen zu identifizieren und normgerecht umzusetzen – von der smarten Beleuchtungssteuerung über Energiemanagementsysteme bis hin zur vollständigen Vernetzung aller Gebäudesysteme. Qualifizierte Elektrofachbetriebe finden Interessierte unter www.elektrobetrieb-finden.de.
3 Fragen, 3 Antworten – Andreas Habermehl, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)
1. Viele Unternehmen wollen nachhaltiger werden, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Welchen Einstieg empfehlen Sie?
Der erste Schritt ist immer Transparenz über den eigenen Energieverbrauch. Wer nicht weiß, wo im Betrieb wie viel Energie verbraucht wird, kann auch nicht gezielt einsparen. Energiemanagementsysteme erfassen den Verbrauch aller relevanten Systeme in Echtzeit – Beleuchtung, Heizung, Klimatisierung, Maschinen, Antriebe – und machen Einsparpotenziale sichtbar. Das ist die Grundlage für eine fundierte Strategie. Häufig zeigt schon die erste Auswertung, wo die größten Hebel liegen. Für viele Betriebe ist das die Beleuchtung: Sie ist gut messbar, die Maßnahmen sind vergleichsweise schnell umsetzbar, und die Amortisationszeiten sind kurz. Das macht sie zum idealen Einstiegspunkt – auch weil sich erste Erfolge schnell belegen lassen.
2. Smarte Lichtsteuerung, Lastmanagement, Photovoltaik – welche Maßnahme bringt im Gewerbe am meisten?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil es stark vom jeweiligen Betrieb abhängt. Was fast alle Unternehmen betrifft, ist das aktive Lastmanagement: Betriebe zahlen nicht nur für die verbrauchte Energie, sondern auch für die maximal bezogene Leistung. Bereits 15 Minuten Spitzenlast können die Stromkosten für den gesamten Monat erheblich in die Höhe treiben. Ein intelligentes Lastmanagement verteilt Lasten gezielt über den Tag – das senkt Kosten, ohne Betriebsabläufe zu beeinträchtigen. Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage am besten in Zusammenhang mit einem Speicher betreibt, kann den Eigenverbrauch durch ein vernetztes Energiemanagementsystem weiter steigern und den Netzbezug deutlich reduzieren. Die E-Handwerke planen und installieren solche Systeme und stimmen sie auf die konkreten Anforderungen des jeweiligen Betriebs ab.
3. Immer mehr Auftraggeber und Kreditgeber fragen nach der Klimabilanz eines Unternehmens. Welche Rolle spielt dokumentierte Energieeffizienz dabei?
Eine zunehmend wichtige. Wer Klimafortschritte nicht nur erreichen, sondern auch nachweisen kann, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Ein strukturiertes Energiemanagement mit belastbaren Verbrauchsdaten, dokumentierten Maßnahmen und messbaren Einsparungen ist heute gegenüber Geschäftspartnern, Kreditgebern und Auftraggebern ein handfestes Argument. Die E-Handwerke helfen Unternehmen, genau diese Grundlage zu schaffen – von der Analyse über die Umsetzung bis zur normgerechten Dokumentation. Viele Maßnahmen können zudem unter bestimmten Voraussetzungen über bestehende Förderprogramme unterstützt werden, beispielsweise im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Wichtig: Förderanträge müssen in der Regel vor Beginn der Maßnahmen gestellt werden.