Die Chancen einer Ausbildung in den elektro- und informationstechnischen Handwerken – Ein inspirierendes Gespräch mit Nils Kusserow, Inhaber Elektro Kusserow in Waltrop
Moderne Elektroinstallation, Smart Home, Energiewende – die Elektrobranche ist gefragter denn je. Während viele Wirtschaftszweige mit Nachwuchssorgen kämpfen, können die E-Handwerke beeindruckende Zahlen vorzeigen: 2024 absolvierten 46.481 junge Menschen eine Ausbildung im größten Klima- und installierenden Gewerk – bereits zum zehnten Mal in Folge ein Anstieg. Doch was macht diese Berufe so attraktiv? Und wie sieht der Weg vom Azubi zum eigenen Betrieb aus? Die Welt der Elektrohandwerke mit ihren fünf Ausbildungsberufen steckt voller Möglichkeiten und spannenden Herausforderungen. Nils Kusserow hat es bewiesen: Mit einer soliden Ausbildung und dem Willen, hart zu arbeiten, kann man Großes erreichen.
Interview mit Nils Kusserow – Meister und Inhaber von Elektro Kusserow sowie stellvertretender Innungsobermeister Recklinghausen
Nach seiner Ausbildung zum Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik und der Meisterprüfung gründete Nils Kusserow 2017 seine eigene Firma. Bei Elektro Kusserow arbeiten aktuell 15 Mitarbeiter, Herr Kusserow inspiriert nun andere, ihren Weg im Handwerk zu gehen. In diesem Interview teilt Nils Kusserow seine Erfahrungen und ermutigt junge Menschen, den Schritt in eine praxisnahe und zukunftssichere Ausbildung zu wagen.
Was hat Sie dazu bewogen, eine Ausbildung in den Elektrohandwerken zu beginnen?
Für mich war nach meinem Realschulabschluss klar: Ich möchte nicht weiter die Schulbank drücken, sondern praktisch arbeiten. Gemeinsam mit meinen Eltern suchte ich nach einem zukunftssicheren Beruf, der auch langfristig Bestand haben und nicht schnell aus dem Alltag verschwinden sollte. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: „Irgendjemand muss auch einmal Roboter reparieren, wenn sie kaputtgehen." So kam ich zu den E-Handwerken. Inzwischen sind die E-Zubis so präsent in den sozialen Medien, dass viele Jugendliche sich sehr gut über die Ausbildungsberufe auf Instagram und TikTok informieren können.
Wie kam es dazu, dass Sie Ihren Meister gemacht und einen eigenen Betrieb gegründet haben?
Ich habe meine Ausbildung zu einer Zeit gemacht, als eine Übernahme, beziehungsweise eine Jobgarantie im eigenen Betrieb, nicht selbstverständlich war. Ich musste mir nach der Ausbildung eine Alternative überlegen. Die meisten meiner Familienangehörigen sind Akademiker, was mich dazu bewogen hat, den Bildungsweg über Fachabitur und Elektrotechnikstudium zu wählen. Da meine Eltern Pädagogen waren, wollte ich zunächst Lehrer für Elektrotechnik werden. Bereits nach wenigen Wochen Fachoberschule war für mich klar: „Das wirst du niemals studieren, das ist zu weit weg von der Praxis." Ich suchte nach einer neuen Herausforderung, die eine praxisorientierte Weiterbildung beinhaltete. Die Meisterschule kam da wie gerufen: Ich konnte mich weiterbilden und gleichzeitig als Ausbilder Wissen vermitteln. Über diesen Weg habe ich damit begonnen, mich mit der Selbstständigkeit zu beschäftigen. Ich wollte es ausprobieren und hatte Ersparnisse für einen Bulli und die entsprechenden Werkzeuge gesammelt. Ich bin in die Selbständigkeit gestartet, getreu dem Motto: „Wenn es nichts wird, dann wird es halt nichts" – aber Scheitern stand bei mir noch nie hoch im Kurs.
Welche waren die größten Herausforderungen während Ihrer Ausbildung und Meisterprüfung, und wie haben Sie diese gemeistert?
Die Ausbildung habe ich in einem guten und engagierten Betrieb gemacht, sodass ich mich auf das Erlernen neuer Fähigkeiten konzentrieren konnte. In der Schule wurde ich schrittweise auf die Prüfungen vorbereitet, die ich ohne Probleme bestand. Die echten Herausforderungen begannen erst mit meinem Start in der Meisterschule. Hier wurden zwar Themen besprochen und Fragen geklärt – es war jedoch viel mehr Selbststudium und -motivation nötig. Viele Abende habe ich damit verbracht, mit anderen Kursteilnehmern zu wiederholen, zu rechnen und Themen zu vertiefen. Dieses Wissen dann vollständig während einer Prüfung abrufen zu können, habe ich als sehr herausfordernd in Erinnerung. Der Meistertitel hat nicht ohne Grund den Ruf, sehr anspruchsvoll zu sein. Allerdings wird von einem Meister auch in der Praxis viel erwartet: Er trägt nicht nur die Verantwortung für seine Projekte, sondern auch für Mitarbeiter oder Gesellen und Auszubildende. Nicht zuletzt ist Strom ein risikobehaftetes Medium, mit dem man umzugehen wissen muss.
Welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Welche Projekte oder Entwicklungen in den Elektrohandwerken finden Sie besonders spannend?
Mein Ziel ist klar: Ich möchte einen innovativen Betrieb führen, der für meine Kunden immer die richtige Lösung bieten kann. Gleichzeitig möchte ich für meine Mitarbeiter ein verlässlicher und fortschrittlicher Arbeitgeber sein, mit dem sie sich identifizieren können. An diesem Ziel arbeite ich jeden Tag! Wir versuchen uns vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien zu positionieren, da ich diesen Markt als besonders wichtig und zukunftsfähig erachte. Wir investieren sehr viel Zeit und Geld, um in diesem Sektor in unserer Region Marktführer zu sein. Das Engagement ist nicht ganz uneigennützig, da mein ganz persönliches Interessengebiet in diesem Bereich liegt. Es ist ein spannendes Tätigkeitsfeld, das in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen wird.
Welche Motivation steckt hinter Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Innung? Wie unterstützt die Innung e-handwerkliche Betriebe?
In unserem Beruf hängen wortwörtlich Leben davon ab, dass wir uns an Regeln und Vorschriften halten, und unsere Mitarbeiter dieses Wissen in der Praxis verlässlich umsetzen können. Damit das funktioniert, brauchen wir nicht nur gute Lehrlinge, sondern auch die entsprechenden Lehrgänge, denn gerade Normungen ändern sich immer wieder. Solche Lehrgänge veranstaltet in unserer Region die Innung, die zudem auch für die Abnahme der Gesellenprüfung zuständig ist. Mein Ansatz war es, die Innung mit neuen Ideen zu bereichern und frischen Wind in die Verbandsorganisation zu bringen. Dass ich nun als stellvertretender Innungsobermeister einen sehr weitgefassten Aufgabenbereich übernommen habe, war ehrlich gesagt nicht geplant. Aber man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben: Mich motiviert dabei, jungen Menschen die Möglichkeiten der fünf Berufe der E-Handwerke näherzubringen. Ich glaube, dass ich hier gut ansetzen kann, da sich Schülerinnen und Schüler mit mir aufgrund meines jungen Alters gut identifizieren und austauschen können. Die Innung unterstützt Elektro-Fachbetriebe in vielen Bereichen, aber der größte Mehrwert, den ich sehe, ist, gut ausgebildete Mitarbeiter weiter zu fördern und zu bilden.
Welche Möglichkeiten sehen Sie für junge Menschen, die ebenfalls in dieser Branche arbeiten möchten?
Die E-Handwerke sind aktuell so stark wie nie zuvor. Unsere ganze Welt dreht sich um Energie: Die E-Handwerke mit ihren fünf Ausbildungsberufen sind hier so vielseitig aufgestellt, dass für jeden etwas dabei ist. Von der klassischen Elektroinstallation über Smart-Home-Lösungen bis hin zur Elektromobilität und erneuerbaren Energien – die Zukunftsthemen sind fest in unserer Hand. Ich finde, dass eine Ausbildung in den E-Handwerken ein super Start in dieser Branche ist.
Gibt es noch einen ultimativen Insider-Tipp von einem erfolgreich durchgestarteten E-Zubi für angehende E-Zubis?
Der Start in einem guten Ausbildungsbetrieb ist die halbe Miete. Unsere Innungsbetriebe sind hier sicher eine gute Anlaufstelle, aber auch die Innungen vor Ort können unterstützen. Eine gute Möglichkeit, um Betriebe und die verschiedenen Ausbildungsberufe kennenzulernen, sind Praktika in diesem Bereich. Junge Menschen sollten sich die Zeit nehmen, das Thema zu verinnerlichen – beispielsweise auch mit den Videos der E-Zubis oder über die sozialen Kanäle wie YouTube, Instagram oder TikTok. Aber auch der persönliche Zugang und das Zwischenmenschliche spielen eine entscheidende Rolle. Ich rate Interessierten, sich in Ruhe nach einem passenden Betrieb umzuschauen: Es gibt nichts Schlimmeres, als dreieinhalb Jahre in einer Firma zu arbeiten, mit der man sich nicht identifizieren kann und dort Tätigkeiten zu verrichten, die einen selbst nicht wirklich interessieren.
Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der E-Handwerksbranche hat für den ZVEH hohe Priorität. Der ZVEH und die Landesinnungsverbände bieten sowohl jungen Interessierten als auch Betrieben umfangreiche Informationen, Marketingmaterialien und Beratungen an. Auf www.ezubis.de finden Jugendliche Angebote und auf Instagram spannende Einblicke in die vielfältigen Berufe der E-Handwerke.